PROJEKTEHedwig Pringsheim Briefe-Edition

Im Thomas-Mann-Archiv Zürich sind 370 durchweg handschriftliche Briefe Hedwig Pringsheims (1855-1942) aus München (1933 bis 1939) bzw. aus Zürich (1939 bis 1941) an ihre Tochter Katia Mann (1883-1980) nahezu vollständig erhalten. Gegenbriefe sind derzeit nicht bekannt. Wenige Auszüge präsentieren Inge und Walter Jens in ihren Biographien zu Katia Mann (2003) und Hedwig Pringsheim (2005). Das Konvolut als herausragende zeitgeschichtliche Quelle ist insgesamt jedoch bislang noch unerschlossen.

Das Ganze ist eine briefliche Erzählung sui generis, mit verschiedenen Ebenen der Verschlüsselung; familiäre Spitznamen stehen neben Andeutungen, die auch der NS-Zensur Rätsel aufgaben. Erlebnisse der Familie Pringsheim in den Wohnungen am Königsplatz, am Maximiliansplatz und an der Widenmayerstraße spiegeln das allmählich anwachsende Grauen wider; das Schicksal der Mann-Villa an der Poschingerstraße zwischen Beschlagnahmung durch die Gestapo und anschließender Neuvermietung wird ebenfalls detailliert berichtet. Es sind Innenansichten des NS-Alltags, wie sie in dieser Form noch nicht geschildert wurden, das mehrbändige Briefwerk wird ein Gedenkbuch der besonderen Art. Doch erst der ausführliche Kommentar, dessen Erstellung die BSCW-Stiftung unterstützt, erschließt dieses einzigartige Zeitzeugnis in seiner Vielfalt.

Die Edition erscheint unter dem Titel „Mein Nachrichtendienst“ beim Wallstein Verlag im April 2013.

Eine Buchpräsentation mit Dirk Heißerer und der Schauspielerin Katja Rupé findet am 15. April 2013 im Literaturhaus München statt.

Siehe Lesung – H. Pringsheim „Mein Nachrichtendienst“

Der Autor Dr. Dirk Heißerer wurde nach dem Studium der Germanistik, Philosophie, Kunstgeschichte und Völkerkunde in Bonn und München 1992 mit einer Arbeit über Carl Einstein promoviert.
Der Lehrbeauftragte an der Ludwig-Maximilians-Universität (1992-2000, 2006) sowie an der Universität Leipzig (2007/08) ist auch als Herausgeber tätig (Erika Mann, Kadidja Wedekind, Franz Hessel, Rudolf Schlichter).
Seit 1999 ist er erster Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums München e. V. und gibt die neue „Thomas-Mann-Schriftenreihe“ (TMSR) heraus. Im Frühjahr 2005 erschien sein Buch „Im Zaubergarten. Thomas Mann in Bayern“ (C. H. Beck, München). Eine Neuausgabe des ‚Klassikers’ „Wo die Geister wandern“ mit dem neuen Untertitel „Literarische Spaziergänge durch Schwabing“ erschien 2008 im Verlag C. H. Beck. Im Frühjahr 2009 kam seine Studie „Die wiedergefundene Pracht. Franz von Lenbach, die Familie Pringsheim und Thomas Mann“ (Wallstein Verlag) heraus.