PROJEKTEDas Buch gegen den Tod / Elias Canetti

Editorische Arbeit am Nachlaß von Elias Canetti

Unter den nachgelassenen Papieren des Nobelpreisträgers Elias Canetti (25.7.1905–14.8.1994), die größtenteils in der Zürcher Zentralbibliothek liegen, befinden sich bedeutende Schriften, die der Autor nicht in seine essayistischen, aphoristischen und autobiographischen Bücher aufgenommen hat. Außerdem existiert eine umfangreiche Sammlung von Kopien von Briefen Elias Canettis vornehmlich aus den Jahren 1964-94.

Rund 10 Jahre nach Canettis Tod sind im Carl Hanser Verlag, der das Gesamtwerk seit 1963 betreut, drei Bände mit Texten aus dem Nachlass erschienen. Unter der Leitung des Herausgebers Kristian Wachinger werden die unpublizierten Schätze Schritt für Schritt gehoben und sinnvolle Formen der Publikation dafür entwickelt. Die BSCW-Stiftung unterstützt das Vorhaben einer Nachlass- und Briefedition. Diese ist das Ergebnis einer jahrelangen Sichtung in Zusammenarbeit mit den Canetti-Erben.

Zu den drei autobiographischen Büchern (»Die gerettete Zunge«, »Die Fackel im Ohr« und »Das Augenspiel«) liegt unpubliziertes Material transkribiert vor und wird mit der Hilfe eines finanziellen Beitrages durch die BSCW-Stiftung editorisch aufbereitet.

Canettis nachgelassenes »Totenbuch«, das ebenfalls mit Unterstützung durch Fördermittel der BSCW-Stiftung kommentiert wurde, erschien im Herbst 2010 in spanischer Übersetzung.

Die deutsche Ausgabe wurde mit den inzwischen erstellten Transkriptionen aus den nachgelassenen »Aufzeichnungen« ergänzt und erscheint im März 2014 mit dem Titel „Das Buch gegen den Tod“. Zeitlebens wollte Nobelpreisträger Canetti, der sich stets als „Todfeind“ bezeichnete, dieses Buch schreiben. Mit dem Phänomen Tod hat er sich über Jahrzehnte hinweg beschäftigt, und er hat zahlreiche Anläufe unternommen, um das Thema mit seiner anthropologischen Methode einzukreisen: Canetti las Dichter und Philosophen, sammelte Märchen, Mythen und Riten. Das Buch ist die Quintessenz seiner lebenslangen Auseinandersetzung, und immer wieder kommt hier die Eleganz seines Denkens und Schreibens zum Ausdruck. Peter von Matt ergänzt dieses wichtige Buch um einen großen Essay über Canetti und dessen Todfeindschaft.

Die BSCW-Stiftung unterstütze die Arbeiten für dieses Werk, das unter Mitwirkung von Johanna Canetti, Sven Hanuschek, Kristian Wachinger, Laura Schütz, Peter von Matt, Tina Nachtmann und Karen Lauer entstanden ist.

Elias Canetti: Briefe 1948–1994

© Hanser Verlag

Die Edition: "Ich erwarte von Ihnen viel", Briefe
Ein junger Autor wendet sich mit seinem Erstlingsroman schüchtern an den Nobelpreisträger Thomas Mann – und wird freundlich abgewimmelt. Ein halbes Jahrhundert später reist der Autor selbst nach Stockholm, den Preis entgegenzunehmen. Elias Canetti bezeichnete sich selbst gelegentlich als schlechten Briefschreiber. Dem zum Trotz ist der Schatz seiner Briefzeugnisse ein literaturhistorisches Ereignis. Knapp 600 Briefe an Buchhändler, Germanisten oder Journalisten ebenso wie an Kollegen wie Theodor W. Adorno, Thomas Bernhard, Erich Fried, Claudio Magris, Marcel Reich-Ranicki oder Hilde Spiel führen tief hinein in die Kulturwelt Nachkriegseuropas – und in ein einzigartiges Jahrhundertleben.

© Elias Canetti Erben

Canetti hatte regen Austausch mit den Intellektuellen seiner Zeit, und das Medium dafür war: der Brief. Aus hunderten von Briefen u.a. an Theodor W. Adorno, Hans Bender, Erich Fried, Ernst Gombrich, Volker Hage, Wolfgang Kraus, Claudio Magris, Thomas Mann, Marcel Reich-Ranicki, Hilde Spiel, Cilli Wang und viele andere entsteht hier ein repräsentativer Band, der Canettis Aufstieg nachzeichnet: vom durch die Emigration beschädigten Einzelkämpfer zum Nobelpreisträger mit einem ansehnlichen literarischen und philosophischen Werk.

Die BSCW-Stiftung unterstüzt die Arbeiten an der Edition der Briefe Elias Canettis.

Die Herausgeber

Sven Hanuschek, Germanist und Publizist, unterrichtet an der LMU München. Er veröffentlichte bei Hanser Biografien über Elias Canetti und Erich Kästner, bei Zsolnay Laurel & Hardy (Eine Revision).

Kristian Wachinger, Lektor und Übersetzer, ist seit 2003 (Mit-)Herausgeber mehrerer Editionen aus dem Nachlass von Elias Canetti sowie im Stiftungsrat der Canetti Stiftung in Zürich.

 

Die Edition der Briefe Elias Canettis erschien im Herbst 2018 beim Hanser Verlag.

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