PROJEKTEJ. Haydn / Trios

Die Flöte spielte in der Kammermusik Joseph Haydns lange eine eher unbedeutende Rolle.

Für die Entdeckung des neuen Metiers der Kammermusik mit Flöte bedurfte eines Anstoßes von außen: Der Verleger John Bland aus London gab im Jahr 1791 die Komposition von drei Flötentrios in Auftrag – speziell für den lukrativen Markt auf der Insel, denn die Flöte war um 1800 in England in der Hausmusik besonders beliebt und weit verbreitet.

Haydn schickte Abschriften der Autographe von zwei der drei von Bland bestellten Kompositionen auch seinem Wiener Verlag Artaria, und tatsächlich erschienen diese und einige weitere seiner Werke parallel bei Bland in London und bei Artaria in Wien.

Der finanzielle Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Nach dem Tod seines Arbeitgebers Fürst Nikolaus von Esterhazy im September 1790 nahm Haydn seine Geschäfte vollständig selbst in die Hand; Bland und Artaria teilten sich die Notenausgabe vieler weiterer Kammermusikwerke und organisierten ihren Verkauf über den ganzen Kontinent; sie verlangten immer mehr musikalischen Nachschub von Haydn, denn gerade die Trios, Quartette und Sonaten waren gewinnbringende Verkaufsrenner.

Ein Brief Haydns gibt auch einen deutlichen Hinweis auf die im späten 18. Jahrhunderts noch gebräuchliche Trennung zwischen "erhabener" sinfonischer Musik für den repräsentativen Rahmen und "gefühlvoller" Kammermusik, die für den Hausgebrauch gedacht war.

Was selbstverständlich für die Sonaten und Trio nicht Belanglosigkeit bedeutet: Im Gegenteil, anders als im repräsentativen Rahmen der Sinfonie und im anspruchsvollen Experimentierfeld des Quartetts konnten hier mehr filigrane Details ausgearbeitet werden.

Die BSCW-Stiftung ermöglichte die Aufnahme dieser Flötentrios.

Richard Fuller, Hammerklavier
Dorothea Schönwiese-Guschlbauer, Cello
Annie Laflamme, Traversflöte

Hörproben

Trio in G-Dur Hob. V:15, II Andante

Trio in G-Dur Hob. V:15, III Finale: Allegro moderato