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Balthasar Neumanns Bibliothek -
Bücher und Graphik zur Architektur

Balthasar NeumannBalthasar Neumann (1685-1753) war einer der wichtigsten Architekten des 18. Jahrhunderts und eine genauere Kenntnis der Bücher und Graphikwerke zur Architektur in seiner Bibliothek ist seit langem ein Desiderat der Forschung. Nachrichten zu dieser Frage haben wir vereinzelt in Neumanns Briefen; die Hauptquelle ist jedoch das Auktionverzeichnis von Büchsern, Kupferstichen und Handzeichnungen aus dem Nachlaß von Franz Michael Ignaz von Neumann, dem 1733 geborenen und 1785 verstorbenen Sohn, der ebenfalls Architekt geworden war und die Bibliothek seines Vaters geerbt hatte.

Diese Bibliothek wurde 1804 versteigert, ein Exemplar des Auktionskataloges mit insgesamt 886 Nummern hat sich erhalten. Bei den gedruckten Werken läßt sich natürlich weder das Ankaufsdatum bestimmen, noch, ob es sich um einen Ankauf des Vaters oder des Sohnes handelte. Es scheint jedoch sinnvoll anzunehmen, daß vor Neumanns Tod 1753 erschienene Werke von ihm selbst angekauft worden sind. Franz Ignaz Michael war beim Tode des Vaters erst 21 Jahre alt, wird also noch keine umfangreiche eigene Bibliothek besessen haben.

Das Auktionsverzeichnis dokumentiert eine außerordentlich umfangreiche Fachbibliothek, in der neben nahezu allen klassischen Werken der Architekturtheorie (oft in mehreren Ausgaben) auch eine sehr große Menge an Vorlagestichen und an Aufnahmen bestehender Gebäude aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, England und Italien zu finden war. Das von der BSCW-Stiftung geförderte Projekt hat das Ziel, das Auktionsverzeichnis durch dessen Publikation einem weiteren Kreis der Forschung zugänglich zu machen und die vor 1753 - also zu Lebzeiten Balthasar Neumanns - erschienenen Werke, trotz der im Katalog oft summarischen Bezeichnungen, genauer zu bestimmen und knapp zu kommentieren.

Der Autor, Dr. Jarl Kremeier, hat Kunstgeschichte, Geschichte und Musikwissenschaft in Würzburg, London und Berlin studiert und wurde 1996 mit einer Arbeit zur Planungs- und Baugeschichte der Hofkirche in der Würzburger Residenz promoviert. Er unterrichtet Kunstgeschichte an Berliner Kunsthochschulen und im Gasthörerprogramm der Freien Universität Berlin.

Publikationen zu fränkischen und architekturtheoretischen Themen:

  • Drei Audienzen des englischen Gesandten Onslow Burrish bei Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn in den Jahren 1745 und 1746, in: Mainfränkisches Jb 50, 1998, 76-86
  • Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770): Bemerkungen zu einem Essay und zu einigen Ausstellungen der Jahre 1996-1998, in: Frühneuzeit-Info 9, 1998, Heft 2, 256-68
  • Die Hofkirche der Würzburger Residenz, Worms 1999
  • Architekturtheorie von der Renaissance bis zur Gegenwart. 89 Beiträge zu 117 Traktaten, Köln 2003, 202-47 (= fünf Beiträge zu Jean Martin, Philibert de L'Orme, Jacques Androuet du Cerceau, Pierre Le Muet und Roland Fréart de Chambray)
  • Würzburg. Hofkirche der ehemals fürstbischöflichen Residenz (= Schnell & Steiner, Kleiner Kunstführer Nr. 2567), Regensburg 2005 <auch in englischer Übersetzung>
  • 'Der königlich vorplatz, so in 4eck zu bringen'. Bemerkungen zu Lage und Gestaltung des Vorplatzes der Würzburger Residenz, in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte LV/LVI, 2006/2007, 69-81