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"Academia Sieboldiana"

Eine Würzburger Familie schreibt Medizingeschichte. Andreas Mettenleiter, Pfaffenhofen/Ilm: Akamedon

Um 1800 saßen auf vier Würzburger Professorensesseln Mitglieder der Ärztefamilie Siebold: Zusammen mit dreien seiner Söhnen und einer Vielzahl von Schülern und Assistenten dominierte der berühmte Chirurg Carl Caspar Siebold damals die Medizinische Fakultät und verhalf ihr innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer ersten Blütezeit. Mit der Entstehung der Chirurgischen und Medizinischen Universitätsklinik wurde Würzburg zu einem wichtigen Zentrum der Medizinerausbildung in Süddeutschland. Der anfangs als Spottname geprägte Begriff „Academia Sieboldiana“ wurde zu einem Ehrenzeichen. Auch die Enkel und Urenkelgeneration, darunter der „Japan-Siebold“ Philipp Franz, hat Bedeutendes für die Entwicklung von Medizin und Naturwissenschaften geleistet.

Das Würzburger Siebold-Museum hat dieser bemerkenswerten Ärztedynastie zum Universitätsjubiläum 2002/2003 eine umfangreiche Sonderausstellung gewidmet, die auf rund 400 Quadratmetern spannende Einblicke in die Medizin- und Wissenschaftsgeschichte bot. Unter den zahlreichen Exponaten öffentlicher und privater Leihgeber aus ganz Deutschland fanden sich neben vielen bisher noch nie öffentlich gezeigten Dokumenten und Ölgemälden historische Präparate aus Anatomie und Pathologie, alte medizinische Instrumente, zwei echte Gebärstühle aus der Region sowie viele persönliche Erinnerungsstücke aus dem Familienbesitz der Nachfahren.

Die Veröffentlichung eines deutsch-englisch-japanischen Ausstellungskataloges war bereits für 2002 vorgesehen, scheiterte seinerzeit jedoch an den hohen Herstellungskosten, die die Gesellschaft aus eigener Kraft nicht aufbringen konnte. Inzwischen ist es gelungen, durch die Gewinnung von Sponsoren und Förderern – darunter auch der BSCW-Stiftung – die Finanzierung des Buchprojektes sicherzustellen. Damit kann das lange angekündigte Werk rechtzeitig zum 15jährigen Jubiläum des Würzburger Siebold-Museums am 3. Juli 2010 erscheinen.

Der dreisprachige, großzügig illustrierte Band hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein internationales Publikum mit der außerhalb von Fachkreisen noch weithin unbekannten Ärztefamilie bekannt zu machen. Er enthält die Texte der Schautafeln, ein Verzeichnis der Exponate, einen vierfarbigen Bildteil sowie einige wichtige, neu entdeckte Quellen. Berücksichtigt wurden auch viele aus den letzten Jahren stammende Erkenntnisse, die seit der grundlegenden Veröffentlichung Hans Körners 1969 gewonnen werden konnten.

Gerade auch in Japan, wo der (in seinem Heimatland weitgehend unbekannte) Japan-Pionier Philipp Franz von Siebold höchstes Ansehen genießt, wird man die Ausführungen zu dessen als Mediziner bedeutenden Verwandten mit großem Interesse zur Kenntnis nehmen, beschränkte sich die Kenntnis über die ‚Academia Sieboldiana‘ bislang doch meist auf den Halbsatz „aus einer berühmten Würzburger Ärztefamilie stammend.“

www.wuerzburg.de/siebold-museum